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Zur Dorfchronik von Schalkholz

Auf dem Weg zur Realisierung eines Internet-Auftritts für die Gemeinde Schalkholz ging parallel auch der Gedankenansatz einher, die Geschichte des Dorfes zu recherchieren, aufzuschreiben und einer interessierten Leserschaft im Internet zugänglich zu machen. Vor diesem Hintergrund begann die Materialsammlung zur Dorfhistorie, im Volksmund auch Dorfchronik genannt.

Gleich zu Beginn stand eine bemerkenswerte Veröffentlichung des gebürtigen Schalkholzers Harald Jebsen zur Verfügung, welche als ein außerordentlicher Glücksfall für Schalkholz zu werten ist und unmittelbar als Kernstück einer zukünftigen Dorfchronik ihren gebührenden Platz fand. Mit bemerkenswerter Akribie hatte Herr Jebsen seinerzeit ungezählte Stunden in verschiedenen Archiven zugebracht um seine Familiengeschichte zu erforschen. „So ganz nebenbei“ hat er gleichwohl einen sehr bedeutenden Teil der Geschichte von Schalkholz miterfasst und 1981 veröffentlicht:

„Bauern und Kätner des Dorfes Schalkholz in Dithmarschen von 1560 bis 1900“; „Familienkundliches Jahrbuch Schleswig-Holstein“. Schleswig-Holsteinische Gesellschaft für Familienforschung und Wappenkunde e.V. Kiel, Jahrgang 20 – 1981

Bedingt durch eine vielfältige Themenauswahl sind die jeweiligen Beiträge in Form und Umfang bewusst zum Zweck der Information und Unterhaltung gehalten, schon aus diesem Grund werden sie sicherlich nicht den Ansprüchen einer wissenschaftlichen Arbeit genügen. Zudem sind allein die archäologischen Funde und Erkenntnisse aus der Gemarkung Schalkholz dermaßen umfangreich, dass diese allein vermutlich ein Buch füllen können und demzufolge nur kurz und oberflächlich beschrieben sind. In diesem Zusammenhang sei der Besuch des Museums für Früh- und Vorgeschichte in Albersdorf unbedingt zu empfehlen, die vorhandene Literatur zum Thema ist Dank der Forschungsarbeit von Dr. Arnold zudem erfreulich umfangreich und lesenswert.

Die vorhandene Quellenlage zur Siedlung Schalkholz erwies sich als spärlich, die Ursachen dafür waren sicherlich vielfältig; Dokumente gingen in den vergangenen Jahrhunderten beispielsweise durch unsachgemäße Lagerung, Beschlagnahme oder leichtfertigen Umgang damit verloren. Denkbar wäre weiterhin, dass ausgediente Schriften im Wortsinn verheizt wurden, aus Interessenlosigkeit oder schlicht aus Mangel an einem geeigneten Archiv. Zudem ist einerseits die enge historische Verbundenheit mit dem großen Kirchspiel Tellingstedt, als auch die gleichzeitig und über 300 Jahre andauernde Verwaltung durch das dänischen Staatswesen zu berücksichtigen, welche bis zum heutigen Tag aus dem Geschichtsbewußtsein der Dithmarscher verdrängt zu sein scheint. Auch hier wurde dezentral verwaltet, Schalkholz betreffende Akten, Dokumente, Schriftzeugnisse und Unterlagen wurden sicherlich nicht, in Hinblick auf eine spätere Geschichtsschreibung, entsprechend sorgsam archiviert; die nachfolgenden Preußen waren diesbezüglich weitaus gründlicher. Zu guter Letzt bleibt die Frage nach Aufwand und Nutzen, wollte man alles im Landesarchiv Schleswig lagernde Material zur Siedlung Schalkholz sichten, sortieren, kopieren, katalogisieren, übersetzen, digitalisieren…?

In der Zeit des Nationalsozialismus war es üblich, dass Dorflehrer dazu angehalten waren Chroniken von dem Ort ihrer Dienstelle zu verfassen; so auch in Schalkholz. Der damalige Lehrer Christian Hansen schrieb sowohl an einer umfangreichen Schulchronik, als auch an dem Anfang einer Dorfchronik; seine Arbeiten blieben unvollendet.

Die Geschichte von Schalkholz begann in der vorletzten Eiszeit, als gigantische Gletscher das heutige Schleswig-Holstein mit unvorstellbaren Kräften bewegten und formten. In einer zwischenzeitlichen Warmphase betraten steinzeitliche Jäger und Sammler jene Geesthügel von Schalkholz, die bis heute vom Kiesabbau fortwährend abgetragen werden. In den 1970er Jahren fanden sich dort die Spuren ihrer Anwesenheit.

Mit dem Ausklang der letzten Eiszeit folgte das Zeitalter der Steinzeit, welches später in die sogenannte Bauernsteinzeit mündete. Die Menschen dieser Epoche wurden langsam seßhaft, begannen mit Ackerbau und Viehzucht und errichteten später beeindruckende Grabanlagen. In Schalholz existierte ursprünglich eine beachtliche Anzahl an Steinkammergräbern, von denen leider nur sehr wenige bis in das 20. Jahrhundert überhaupt erhalten blieben. Vielleicht gehörten diese Grabanlagen ursprünglich zu einem größeren Stammesverband oder einer Siedlungsgruppe auf dem östlichen Dithmarscher Geestrücken, welcher ursprünglich aus Süden kommend in den Raum Albersdorf vordrang?

Die ausgehende Steinzeit ging nahtlos in die sogenannte Bronzezeit über, beide Zeitepochen überlagerten sich je nach Region unterschiedlich stark. Beiden gemeinsam ist jedoch eine Bestattungskultur in aufwendigen Grabhügeln, welche ca. 600 Jahre vor Christi Geburt endet. Die lange Epoche der Bronzezeit hat aus kultureller Sicht beispielsweise die Himmelsscheibe von Nebra, sowie die Entwicklung der Handelswege vom Mittelmeerraum bis zur Nord- und Ostsee hervorgebracht; die sogenannte Bernsteinstraße.

Für die nachfolgenden Jahrhunderte ist die wissenschaftliche Erkenntnislage Norddeutsch-lands ausgesprochen dünn. Bedingt durch eine andere Bestattungskultur gelangten in der Folge deutlich weniger Grabbeigaben in den Boden, das Eisen löst die Bronze als Material für Waffen und Werkzeuge ab. Römische Schiffe erkundeten um Christi Geburt die Gewässer der deutschen Bucht, ihre Chronisten verfassen eine erste Beschreibung dieser Küstenlandschaft.

Etwa drei Jahrhunderte später wird das sogenannte Nydamboot in einem Moor im deutsch-dänischen Grenzgebiet als Opfergabe versenkt; zu bewundern im Landesmuseum Schleswig. Zur gleiche Zeit wird das römische Imperium immer schwächer, seine Truppen verlassen um 400 n. Chr. Britannien und ziehen sich dauerhaft hinter die Rhein-Donau-Grenze zurück.

Angeln und Sachsen verlassen ebenfalls ihre angestammten Heimatgebiete nördlich der Elbe und gründen jenseits der Nordsee in Britannien neue, starke Königreiche. In Europa ist die sogenannte Völkerwanderung im vollen Gange.

In Dithmarschen siedelten sich etwa ab 600 n. Chr. erneut sächsische Stämme an und geben Ortschaften wie beispielsweise Tellingstedt vermutlich ihren Namen. Diese Menschen waren Bauern, Krieger und Handwerker und verehrten mit heidnischen Ritualen vermutlich nordische sowie Natur-Gottheiten.

Zwei Jahrhunderte später erobert Karl der Große die westlichen Gebiete zwischen Elbe und Eider. Unter ihm wird das Christentum zur Staatsreligion erzwungen, erste hölzerne Kirchen werden ab 810 n. Chr. in Hamburg, Schenefeld und Meldorf errichtet. Wikinger und Friesen fahren zu dieser Zeit mit der Tide auf Eider und Treene bis nach Hollingstedt, von dort weiter auf dem Landweg bis nach Haithabu. Missionare verbreiteten nun das Wort Gottes auch in Dänemark und Schweden.

Das Mittelalter ist die herausragende Epoche zahlreicher Kirchengründungen in Dithmarschen, diese werden in einer später erstellten Urkunde erstmals für das Jahr 1140 benannt; gegründet wurden einige wenige von ihnen vermutlich aber wesentlich früher. Um das Jahr 1200 entwickelt sich eine selbstbewußte Eigenständigkeit der Dithmarscher, unter anderem begünstigt durch äußere, machtpolitische Umstände und einem florierenden Getreidehandel, welcher dem Land reiche Einkünfte beschert. Aus dieser Dynamik in Richtung Eigenstaatlichkeit erwachsen die ursprünglichen vier Kirchspiele langsam zu bedeutenden und regional eigenständigen Zentren mit weitreichendem Einfluss und weltlicher Macht, die weit über kirchliche Belange hinaus gehen. In den darauf folgenden Jahrzehnten verstärkt sich dieser Prozess erheblich, der die Entwicklung hin zu einer überregionalen Verwaltungs- und Rechtsstruktur den Weg ebnet; dem Rat der 48er „Uppe de Heyde“.

In Folge dieser Entwicklung wird Schalkholz 1447 in der ersten Fassung des Dithmarscher Landrechts erstmalig urkundlich erwähnt. Allerdings nicht als Siedlung, dies geschah erst um das Jahr 1480, sondern als waldbestandener Abschnitt der Norderhamme, welche der Landes-verteidigung diente. Das Dithmarscher Landrecht von 1447 verbot nach § 21 ausdrücklich das schlagen eines Baumes:

„Vortmer efft dar iemant begrepen worde na dessem daghe, dede Hamme howede efte schalkholte stuvede efte jenighe landwere in unsem lande. de schal tegen unse land ghebroken hebben LX lüb. mk.“

Nach der siegreichen Schlacht bei Hemmingstedt im Februar 1500 ist die „Bauernrepublik“ auf dem Höhepunkt ihrer Eigenständigkeit, die noch annähernd sechs Jahrzehnte andauern wird.

1559 kämpften die Dithmarscher in einer letzten Fehde vergeblich um ihre Freiheit. Über die südlich von Schalkholz gelegene Tielenau-Brücke durchbricht ein dänisch dominiertes Heer die Verteidigungslinie der Dithmarscher und erzwingt wenig später die Kapitulation. In den darauf folgenden dreihundert Jahren ist Dithmarschen, und somit natürlich auch Schalkholz, ein von Fürsten abhängiger Teil des Herzogtums Holstein. Bemerkenswert dazu: seit dem Jahre 1560 waren für die nachfolgenden 280 Jahre durchweg nur 17 Bauern- und 4 Katen-stellen für das Dorf verzeichnet, eine nennenswerte Expansion der Siedlung ist demnach ausgeblieben. Vermutlich ließen die begrenzt zur Verfügung stehenden, landwirtschaftlichen Flächen keine höheren Erträge zu?

Nach der Niederschlagung der Schleswig-Holsteinischen Erhebung 1848–1851 beginnt eine wirtschaftliche Erholung, die auch mit einer fortschreitenden Industrialisierung einhergeht. Jahrhunderte alte, bäuerliche Strukturen verändern sich langsam aber unaufhaltsam mit dem Zuzug von Wanderarbeitern, die sich später auch in der Gemarkung Schalkholz ansiedeln und dort sesshaft werden; beispielsweise Nordfeld, Krim, und auch Vierth. Die dem Kirchspiel Tellingstedt angehörende „Bauerschaft Schalkholz“ wird ab 1934 zur „Gemeinde Schalkholz“ umbenannt und erlangt eine gewisse politische Eigenständigkeit.

Die nun vorliegende „Geschichte von Schalkholz“ genügt, strenggenommen, nicht den Kriterien einer seriösen Chronik im reinen, wissenschaftlichen Sinn. Daher war es von Anfang an das erklärte Ziel, der geneigten Leserschaft eine eher bildhafte Vorstellung auch von jenen Zeiten zu vermitteln, wo sich die Erkenntnislage der modernen Wissenschaft oftmals nur fragmental darstellt oder ganz aussetzt. Vor diesem Hintergrund war es daher unumgänglich, hin und wieder in Spekulation auszuweichen. Denn eines ist sicher: auch ohne gesicherten Beweis haben Menschen in der Region in und um Schalkholz gelebt und waren somit auch zumindest ein kleiner Teil der regionalen Geschichte.

Ralf Sasse, im Sommer 2017

www.schalkholz.de